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Auf dem Rad von Mexiko nach Panama und fast wieder zurück

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Interview mit Heinz Rzen
von Simone Schober

Fünf Monate, acht Länder, 6.500 Kilometer – und das mit dem Fahrrad. So sieht die erste Lateinamerika-Reise des gelernten Fachsozialbetreuers Heinz Rzen aus Oberösterreich aus. Während seiner Tour, die er in Cancún, Mexiko im Oktober 2013 begann und die ihn über Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica bis nach Panama-Stadt und wieder retour führte, ging er durch Höhen und Tiefen, sammelte eine Vielzahl an Eindrücken und machte neue Erfahrungen und Bekanntschaften. In einem Interview für ReveLA erzählt er davon.

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ReveLA: Eine so beträchtliche Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen muss eine Herausforderung gewesen sein. Was hat dich dazu bewogen?
Heinz: Ich fahre einfach liebend gern mit dem Rad. Seit ich zehn Jahre alt bin, bin ich regelmäßig und viel gefahren und habe später auch an Radrennen teilgenommen. Doch mit der Zeit ist mir das Rennen-Fahren zu eintönig geworden und ich habe mich auf die Suche nach etwas Neuem gemacht: warum nicht Rad-Reisen? Meine ersten Reisen “zu Rad” haben mich dann nach Asien geführt. Ich war in Indien, Bangladesch und Syrien unterwegs.

R: Wieso hast du dich bei deiner letzten Reise für Lateinamerika entschieden? Wie hast du die Route ausgewählt und dich vorbereitet?
H: Ganz einfach, weil ich noch nie dort gewesen bin. Ich wollte einen neuen Kulturkreis kennenlernen. Außerdem habe ich ein bisschen Spanisch gekonnt und mir gedacht, dass das für die Verständigung hilfreich sein würde, zumindest in solchen Belangen wie Unterkunft suchen oder Essen kaufen. Zu Hause habe ich die Route vorbereitet und die ungefähre Zeit und Distanz berechnet. Vor Ort war ich dann ohne Reiseführer unterwegs, habe aber Landkarten und ein Navigationsgerät dabeigehabt. Mein Rad und die gesamte Ausrüstung habe ich im Flugzeug nach Mexiko mitgenommen. Mein Gepäck hat während der Fahrt dann ca. 25 Kilo gewogen und umfasste u.a. Schlafsack, Zelt, Kamera, Kleidung und etwas Proviant. Ich wollte nur das Nötigste mitnehmen, um keine unnötigen Kilos zu schleppen, und das ist mir gelungen.

R: Hattest du dann einen guten Start in Mexiko? Wie bist du am Beginn deiner Reise zurechtgekommen?
H: Ja, eigentlich ist am Anfang alles wunderbar gelaufen. Ich habe in Mexiko auch gleich eine Belgierin kennengelernt, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs war und mich dann während der ersten zwei Monate begleitet hat. Am Anfang war ich eher auf das Radfahren fixiert. In Mexiko besuchte ich die Maya-Stätten, aber die fand ich nicht so aufregend. Ich wollte lieber viel fahren. Um mir Geld für die Unterkunft zu sparen, habe ich Couch-Surfing ausprobiert, was in den Städten ganz gut funktioniert hat. In kleineren Orten habe ich dafür leider keine Anbieter gefunden. Ich habe mich ein wenig umgehört und habe dadurch von anderen Nächtigungsmöglichkeiten erfahren, zum Beispiel bin ich einmal bei der Hilfsorganisation Rotary International geblieben und ein anderes Mal bei deutschen Auswanderern, die den Mennoniten – einer evangelischen Glaubensrichtung – angehörten, untergekommen. Das war schon in Belize. Dort sind mir auch die Schuhe gestohlen worden, um die mir sehr leid war, da sie über eine Einrast-Funktion für die Pedale verfügt hatten… In Guatemala haben wir dann mehrmals bei bomberos (Feuerwehrleuten) übernachten können. Diesen Tipp haben wir von argentinischen Reisenden bekommen, die meine Begleiterin aus Belgien zuvor kennengelernt hatte. Während meiner Reise habe ich dann noch weitere Nächte bei bomberos verbracht. Einige waren es schon gewohnt, Menschen auf der Durchreise eine Bleibe zu gewähren. Sehr gastfreundlich auf jeden Fall.

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R: Was waren die schwierigsten und die beeindruckendsten Erfahrungen während deiner Reise?
H: Am schwierigsten war sicher die Situation, als wir uns in Nicaragua ein bisschen verirrt haben und statt auf die Hauptstraße auf einen nicht-asphaltierten Pfad gekommen sind, auf den aber zuvor durch die Beschilderung als Hauptstraße hingewiesen worden war. Wir haben also geglaubt, wir wären nach wie vor auf einer großen Straße, doch der Weg ist immer erdiger und nach einiger Zeit auch noch schlammig geworden. Als uns bewusst geworden ist, dass es hier für uns keine Weiterreise gibt, war es schon zu spät. Obwohl wir von den Rädern gestiegen sind und unser Gepäck geschultert haben, sind unsere Räder auf einmal fest im Schlamm gesteckt. Wir haben sie beim besten Willen nicht herausziehen können und waren ziemlich erschöpft. Meine Begleiterin war zu schwach, also bin ich in den nächsten Ort gegangen, um Hilfe zu holen, und das noch dazu barfuß, weil meine Schuhe ebenfalls steckengeblieben sind. Diese Erfahrung war vor allem körperlich sehr, sehr anstrengend. Zum Glück waren wir zu zweit, so hat jemand bei Gepäck und Rädern bleiben und der andere Hilfe holen können. Nach diesen Strapazen haben wir uns drei Tage Erholung am Strand Playa Gigante an der Pazifikküste gegönnt.

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Am beeindruckendsten waren für mich landschaftlich gesehen der Vulkan Arenal in Costa Rica und der höchste Berg Panamas, der auch ein Vulkan ist, Barú, mit einer Höhe von 3.477 Metern. Während ich im Gebiet des Arenals war, ist dieser einmal seitlich ausgebrochen, das war schon spektakulär. In Costa Rica bin ich außerdem über den höchsten Pass der Panamericana zwischen Alaska und Feuerland gefahren, dem Cerro de la muerte (“Anhöhe des Todes”) auf 3.450 Metern. Da haben mir vor allem der schnelle Temperaturwechsel beim Auf- und Abstieg zu schaffen gemacht. In Panama habe ich den inaktiven Vulkan Barú bestiegen, von dem aus man bei Schönwetter sowohl den Pazifischen Ozean als auch das karibische Meer sieht. Bei mir war es leider etwas bewölkt, aber die Erfahrung war trotzdem wunderschön.

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R: Neben dem Radfahren und dem Erkunden der Landschaft hast du sicherlich auch viele neue Menschen kennengelernt. Was kannst du über deine Begegnungen berichten?
H: Ja, da hast du Recht. Ich habe ganz unterschiedliche Leute kennengelernt. Einmal, als ich meine Schuhe in einem Laden in Nicaragua reparieren habe lassen, bin ich mit den Arbeitern dort ins Gespräch gekommen – so gut, wie das mit meinem Grundlagenwissen in Spanisch möglich war – und einer von ihnen hat mich dann auf einen Ausflug zu Wasserfällen mitgenommen, wo ich sonst wahrscheinlich niemals hingekommen wäre, fernab von den touristischen Pfaden. Da ich mich einige Zeit in dem Schuhladen aufgehalten habe, habe ich auch bemerkt, dass es den Leuten dort nicht gut gegangen ist. Sie waren von finanziellen Problemen, Drogenabhängigkeit und Aggressivität gezeichnet.

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In Costa Rica habe ich wiederum andere Bekanntschaften gemacht. Dort war ich auf zwei Öko-Farmen, die teilweise von Deutschen gegründet worden waren, und habe bei kleineren Bauarbeiten mitgeholfen. Auch Weihnachten habe ich nicht alleine verbringen müssen, da ich sogar in dieser Zeit bei einer Familie in Panama-Stadt als Couch-Surfer Unterschlupf gefunden habe. Am Weihnachtsabend haben wir gemeinsam tamales gemacht, daran kann ich mich noch gut erinnern. Das sind kleine Teigtaschen, die mit Fleisch oder Gemüse gefüllt und dann in Pflanzenblätter eingerollt gekocht werden.
Eine schlechte Erfahrung habe ich während der Unterbringung bei einer Familie in La Entrada, Honduras gemacht, als ich bereits auf der Rückreise nach Mexiko war. Ich wollte eigentlich vor einer Polizeistation zelten, aber der Sohn der Familie und seine Freundin haben mich angesprochen und gemeint, dass das Zelten in der Stadt zu gefährlich sei, auch vor der Station. Sie haben mir dann angeboten, bei ihnen zu übernachten, und ich habe zugesagt. Mein Rad habe ich in einem Schuppen im Garten abstellen können. Am nächsten Tag war es nicht mehr da. Mein Rad, mit dem ich 6.500 Kilometer zurückgelegt hatte, ist mir in der letzten Etappe meiner Reise tatsächlich noch gestohlen worden. Das wollte ich aber nicht so hinnehmen. Ich habe mit Hilfe der Familie einen lokalen Radio- und einen Fernsehsender über den Diebstahl informiert und gehofft, irgendetwas damit zu erreichen. Mit dem Interview, das sie mit mir gemacht haben, bin ich sogar kurz ins Fernsehen gekommen. Eine Zeitung hat auch von mir berichtet, dem trotamundos austríaco. Ich habe einige Tage abgewartet und sozusagen im “Zwangsurlaub” bei der Familie verbracht. Das einzig Gute an dem Raddiebstahl war, dass ich bei ihnen gelernt habe, tortillas zu kochen. Da es dem Anschein nach keine Spuren zu meinem Rad gegeben hat, habe ich meine Reise fortgesetzt – im Bus.

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Video: https://onedrive.live.com/?id=8C351F21FF3DA89A!2014&cid=8c351f21ff3da89a&authkey=!AhtwO0CPj9itzcg&v=3

R: Welches Resümee kannst du insgesamt von deiner Reise ziehen?
H: Insgesamt war es ein Abenteuer mit seinen Höhen und Tiefen, aber das gehört bei einer Reise dazu – man kann ja nicht alles vorausplanen und vorhersehen, das wäre auch langweilig. Ich würde die Tour sofort wieder fahren! Beeindruckt hat mich vor allem auch die Gastfreundschaft vieler Menschen, die mich aufgenommen und mich verköstigt haben, ohne jegliche Gegenleistung zu verlangen. Dass mir meine Schuhe und mein Fahrrad gestohlen worden sind, betrübt mich schon (die Schuhe wohl noch mehr als das Rad, denn die Funktion zum Einrasten war spitze), aber ich denke, dass das überall passiert, wo die Schere zwischen Armen und Reichen weit auseinander geht. Es liegt mir fern, den Ruf der Länder, die ich besucht habe, zu schädigen, vor allem, weil ich nicht den Eindruck hatte, dass sie besonders gefährlich waren. Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Menschen haben einfach in den meisten Fällen überwogen.

 

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Un comentario en “Auf dem Rad von Mexiko nach Panama und fast wieder zurück

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