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Iniciativa Amotocodie – Arbeit der letzten 12 Jahre

Publicada en Publicada en Edición #2, Milpa

Seit 2002 gilt das Engagement von Iniciativa Amotocodie (IA) der Präsenz und dem Schutz von Indianergruppen des Ayoreovolkes im Norden des Gran Chaco(Paraguay), die noch keinen Kontakt mit unserer westlichen, modernen Zivilisation hatten, und die jeglicher Kontaktmöglichkeit auch aus dem Weg gehen1. Ausgelöst wurde die langjährige institutionelle Arbeit von IA durch die zunehmende Faszination für die Andersartigkeit der Welt dieser Gruppen, die mit unserer immer stärker globalisierten Einheitswelt und -wirklichkeit auf seltsame und herausfordernde Weise koexistieren.

Im Laufe der Jahre ist es dem von uns gebildeten kleinen Team von Iniciativa Amotocodie in unermüdlicher, aufreibender Basisarbeit gelungen, für die ohne Kontakt lebenden Gruppen eine Art externes Überwachungs- und Begleitsystem aufzubauen, welches ihnen und auch den bedrohten Wäldern, in denen sie leben und die ihre Territorien darstellen, einen gewissen Schutz bietet. Es ist eine Arbeit aus der Distanz, mit „Unsichtbaren“, mit Menschen, die in unserer Alltagswirklichkeit nicht sichtbar sind, und die sich auf die ständige, sorgfältige Registrierung gelegentlich sichtbarer Spuren, die ihr nomadisches Leben hinterlässt, beschränkt.
Die ausgedehnten Wälder ihrer Territorien im Norden des Gran Chaco sind heute nicht mehr einfach ihr Lebensraum, sondern werden angesichts der rasant fortschreitenden Zerstörung der Natur mehr und mehr zu Rückzugsgebieten, in denen diese äußerst sensible und extrem schutzbedürftige Art menschlichen Lebens – heute im Verborgenen – weiterhin zu überleben sucht. Unsere Arbeit hat uns nach und nach gelehrt, dass zwischen der unberührten Natur des Urwaldes und den ohne Kontakt lebenden Ayoreo-Gruppen eine Beziehung des gegenseitigen Sich–Schützens besteht: Die „Aislados“ im Norden des Chaco leben vom Wald, von seinem Reichtum und seiner Diversität, schützen ihn aber gleichzeitig, indem sie das Gleichgewicht wahren und von diesem Reichtum nur in Anspruch nehmen, was sie zum Leben wirklich brauchen. Der Wald seinerseits bietet für ihr stark bedrohtes Leben alles, was dafür nötig ist. Die gegenseitige Schutzbeziehung wird heute wegen der für beide Seiten bestehenden akuten Bedrohung immer wichtiger, ähnlich unserer eigenen Beziehung als nicht-indianische, „moderne“ Menschen zu unserer (Um-)Welt, die für uns immer entscheidender wird.
Seit 2003 fokussiert die Arbeit von Iniciativa Amotocodie auf die Situation und die Zukunftsperspektiven der Ayoreo, die bereits vor Jahrzehnten von Missionaren im Namen unseres Lebensmodells kontaktiert und aus dem Wald deportiert wurden. Das Trauma des ungewollten Kontaktes zu unserer Zivilisation, des Zusammenbruchs der traditionellen Lebenswelt und des plötzlichen Verlustes der Territorien – sie sind heute Privatbesitz zahlreicher Farmer und Spekulanten, und zunehmend auch aggressiver internationaler Agro-Unternehmen – hat das Selbstbewusstsein und die Möglichkeit selbstbestimmten Lebens des Ayoreovolkes stark geschwächt. Hier trägt die langjährige, fortwährende Begleitarbeit des Teams von Iniciativa Amotocodie zu einer langsamen, erneuten Erstarkung und eigentlich zu einem „wieder zu sich Kommen“ des Ayoreovolkes bei.
Die immer intensiver werdende Öffentlichkeitsarbeit von IA über den Chaco hinaus in ganz Paraguay, aber auch weltweit trägt zum wachsenden Bewusstsein über die Existenz und die Schutzbedürftigkeit der ohne Kontakt lebenden Gruppen und Völker, aber auch zum Bewusstsein ihrer Bedeutung für die Menschheit und unseren Planeten als Ganzes bei.

Mehr Information findet man unter dem Link:

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Benno Glauser

gebürtiger Schweizer, lebt seit 1977 in Paraguay. Er unterrichtet in Sozial und Kulturanthopologie und Philosophie in Universitätenin Paraguay und in Europa. Seit 2002 unterstützt er als Leiter der paraguayischen Organisation Iniciativa Amotocodie, die Ayoreo-Indianer und den Schutz ihrer massiv von Abholzung bedrohten Urwald-Territorien.

  1. Solche Indianergruppen – zumeist sind es ganze Völker – werden heute oft auch „aislados“ genannt – „isoliert lebende“ Indianervölker. Allein in Lateinamerika wird die Zahl dieser Völker auf zwischen 80 und 120 geschätzt.
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Fragmento mural Juan Lozano, en la avenida el sol, Cuzco, Perú 1992. Foto Simone Schober 2009

 

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