Nomada Beitrag 1

Zu Gast beim „WATUNAKUY“ in Peru. Elisabeth Buchner

Publicada en Publicada en [:es]Edición #8[:de]Ausgabe #8, La llama viaja

Hacia las altas tierras andinas nos conducen las dos contribuciones de la sección Nómada en la octava edición de ReveLA. Elisabeth Buchner nos permite asistir a una ceremonia tradicional y experimentarla a través de sus ojos en el Perú. El énfasis de esta contribución es a naturaleza y la vida en armonía con ella.

Ins andine Hochland führen uns die beiden Beiträge der Rubrik Nomada in der achten Ausgabe von ReveLA. In Peru lässt uns Elisabeth Buchner einer traditionellen Zeremonie beiwohnen und durch ihre Augen erleben. Die Zurückbesinnung zur Natur und das Leben im Einklang damit stehen im Mittelpunkt des ersten Beitrags.

 


Zu Gast beim „WATUNAKUY“ in Peru

Menschen und Saatgut in Bewegung – auf der Suche nach dem guten Leben

Die Sonne versinkt als leuchtender Feuerball zwischen zwei gewaltigen, perfekt symmetrisch verarbeiteten und platzierten Felsblöcken. Zeitgleich erhebt sich direkt gegenüber am anderen Ende des mit Steinsäulen eingefassten Gangs der Vollmond.

Mit Kindern beim Watunakuy, Elisabeth Buchner, Peru, Juni 2018.
Mit Kindern beim Watunakuy, Elisabeth Buchner, Peru, Juni 2018.

Vater Sonne & Mutter Mond

Die Anwesenden, die sich in der inkaischen Tempelanlage Raqchi in der Nähe von Cusco in Peru unter freiem Himmel versammelt haben – wir sind hunderte, Alte und Junge, Frauen und Männer, die meisten davon in traditioneller Quetchua-Kleidung – wenden sich unter „Haile“ Rufen zuerst der Sonne und dann dem Mond zu, um deren letzte bzw. erste Strahlen in sich aufzunehmen und so von „Vater Sonne“ und „Mutter Mond“ genug Lebenskraft für ein weiteres Erdenjahr in Fülle aufzutanken. Ein magischer Moment am Ende eines der außergewöhnlichsten Tage meines Südamerika-Aufenthalts, der in seiner Intensität und Tiefe kaum beschreibbar ist.

Festtage: Inti Raymi und Watunakuy

Es ist Inti Raymi, das wichtigste Fest des Sonnengottes der Inka und damit auch die Zeit des „Watunakuy“ – des internationalen Festes des Saatguts und der Sortenvielfalt – oder schlicht und einfach das Fest des (guten!) Lebens.

Saatgutvielfalt als Basis des guten Lebens

Im andinen Hochland weiß man heute ebenso gut wie zur Zeit der Inka, dass ohne Saatgut kein Leben möglich ist und ohne Saatgutvielfalt jedenfalls kein Gutes. Um dieses Wissen am Leben zu erhalten bzw. wiederzubeleben, findet auf Initiative von Elena Pardo und ihrer bildungspolitischen Organisation CEPROSI[1] zum mittlerweile 13. Mal das Watunakuy statt. Einen ganzen Tag, bis nach dem Sonnenaufgang des nächsten wird gemeinsam gebetet, gesungen, getanzt und Essen und Trinken, Gemeinschaft und Saatgut geteilt. Alle Teilnehmenden sind aufgefordert, Samen zu bringen. Es stapeln sich Maiskolben und Erdäpfel in allen nur vorstellbaren Farben, Bohnen in jeder Form und Größe, wunderschön arrangiert auf andinen Stoffen, mit Blumen geschmückt. Dieses Mal sind Delegationen aus den Andenstaaten Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Chile und Argentinien sowie aus Mexiko, Deutschland und durch mich auch Österreich vertreten. . Es stapeln sich…

Pachamama-Dank aus Österreich

Ohne Vorankündigung wird mir am ersten Ritualplatz – einem großen Felsblock inmitten der Weite des Altiplano – mitgeteilt, dass ich, stellvertretend für mein Land der Pachamama (Mutter Erde), den Apus (Berggöttern) und Tata Inti (Sonnengott) Blumen, Kokablätter, Maisbier (chicha) und Dank darbringen soll. Umgeben von den das Ritual ausführenden Schamanen, umkreist von tanzenden jungen Männern versuche ich angestrengt, unter den Klängen lauter Trommel- und Flötenmusik der im größeren Kreis Musizierenden, die bei den vorherigen Repräsentanten beobachtete Abfolge der Opferschritte richtig hinzubekommen, ohne etwas zu vergessen.

Kinder: die „Samen der Menschheit“

Nachdem dieser offizielle Teil erledigt ist, kann ich die Szenerie wieder entspannt und offen auf mich wirken lassen. Im Mittelpunkt der Zeremonie die Kinder – die „Samen der Menschheit“, wie Elena sie nennt. Hunderte Kinder und Jugendliche sind – in wunderschöne indigene Tracht gekleidet – mit dabei. Die Schulzentren der Umgebung sind durch eine langjährige Zusammenarbeit mit CEPROSI offen für deren Themen, einige Lehrer leiten als Schamanen die Rituale mit. Sie alle teilen die Überzeugung, dass die Menschheit in einer umfassenden Krise steckt, die viel mit der weltweiten Dominanz der westlich-rationalistischen Moderne in allen wesentlichen Gesellschaftsbereichen – von (Land)wirtschaft bis zum Bildungssystem – zu tun hat. Diese Krise ist somit nicht primär eine ökologische, soziale, politische, sondern eine spirituelle: eine Krise des Nicht-Verbundenseins mit der Erde als unserer Lebensgrundlage, mit anderen Lebewesen und unseren Mitmenschen. Im Watunakuy verbinden wir uns symbolisch von neuem und erahnen, was alles möglich wäre, wenn wir stärker aus dieser Verbundenheit heraus leben würden …

Anmerkung: Dieser Beitrag ist ein Wiederabdruck eines Artikels, der in der INTERSOL-Vereinszeitschrift SoliTAT 75 erschienen ist.

Zur Autorin: Elisabeth Buchner ist Sozialwissenschaftlerin sowie Vorstands- und Teammitglied des Vereins zur Förderung INTERnationaler Solidarität (INTERSOL) mit Sitz in Salzburg. Zwischen Oktober 2017 und August 2018 lebte sie im Rahmen eines Forschungs- und Arbeitsaufenthalts über INTERSOL in Cochabamba, Bolivien.

[1] CEPROSI (Centro de Promoción y Salud Integral) mit Sitz in Cusco, Peru, ist eine Nichtregierungsorganisation, die durch das deutsche Kinderhilfswerk „terre des hommes“ unterstützt wird. Sie ist in der interkulturellen Bildungsarbeit tätig, mit Schwerpunkt auf Umweltschutz und nachhaltiger Landwirtschaft.

 


 

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